Herzlich Willkommen

bei der Tischtennis – Abteilung des BSV1892

"Tischtennis oder Ping-Pong",

das ist der Titel einer kurzen Betrachtung über das Spiel mit dem kleinen Zelluloidball, die allen, die mit dieser Sportart noch nicht näher in Berührung gekommen sind, einen Einblick in das Wesen und die Eigenarten dieses Sportes geben soll. Wie oft hört man die erstaunte Frage:
,Tischtennis, ja, was hat denn dieses Spiel mit Sport zu tun; ich habe doch selbst schon einmal mit meinem Freund an einem verregneten Sonntagnachmittag versucht, den kleinen Ball hin und her zu schlagen, aber nach ein bis zwei Ballwechseln fanden wir uns regelmäßig auf dem Teppich wieder, um den Ball zu suchen, der sich stets unter den unzugänglichsten Möbelstücken versteckte.

Ja, liebe Sportsfreunde, das hier geschilderte Unterhaltungsspiel hat wirklich nichts mit Sport zu tun, sondern verdient mit Recht die Bezeichnung "Ping-Pong". Wer würde wohl von einer jungen Dame, die am Sonntagvormittag mit ihrem Rad spazieren fährt, behaupten wollen, sie treibt Sport? Aber niemand wird wohl abstreiten wollen, dass ein Sechs - Tage - Rennfahrer ein Sportler ist, und doch haben beide das Radfahren gemeinsam.

Sehen Sie, ein ähnlicher Unterschied besteht nun zwischen Tischtennis und Ping - Pong, wenn auch die physischen Leistungen eines Rennfahrers nicht mit denen eines Tischtennisspielers verglichen werden sollen. Aber vielleicht können Sie die Spannkraft und die Konzentration eines Spielers ermessen, die erforderlich ist, um einen Kampf zu gewinnen, wenn man bedenkt, dass ein Spiel manchmal 45 Minuten und länger dauert.
Das bedeutet, dass im Vergleich zum Fußball eine Halbzeit lang unentwegt, nur durch kurze Pausen beim Seitenwechsel unterbrochen, die höchste Aufmerksamkeit und Schnelligkeit erforderlich ist, denn oft entscheiden Millimeter und Bruchteile von Sekunden über das Gelingen oder Nichtgelingen eines Schlages und damit über Sieg oder Niederlage. Wenn man berücksichtigt, daß ein Ballwechsel im Durchschnitt etwa 1,5 Sekunden dauert (beim Landtennis ist der Zeitraum zwischen den einzelnen Schlägen infolge der größeren Spielfläche weitaus länger), so heißt das, dass während eines 45-Minuten-Kampfes der Ball rund 1800mal richtig geworfen werden muss.
Daß ein derartiger Kampf die Nerven und die Willenskraft eines Spielers auf das Allerhöchste beansprucht, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung.

Nun dauert zwar nicht jedes Spiel eine Dreiviertelstunde, im Durchschnitt rechnet man mit etwa 25 Minuten, aber auch hier werden größte Anforderungen an die Kampfmoral und körperliche Ausdauer gestellt.

Dass ein Spieler nach einem Kampf wie, aus dem Wasser gezogen ist", und ihm vor Anstrengung Hände und Füße zittern, ist keine Seltenheit und zeigt, dass wir Tischtennisspieler uns nicht im geringsten vor den bekannten Rasensportarten zu verstecken brauchen. Wer einmal einem derartigen Spiel beigewohnt und die beinahe ans akrobatische grenzenden Leistungen z.B. eines Verteidigungs­spielers, der mit unwahrscheinlichem Reaktionsvermögen Serien schärfster Schmetterbälle mit selbstverständlicher Sicherheit auf die Tischplatte zurückbringt, gesehen hat, der ist bestimmt begeistert und davon überzeugt, einen schönen sportlichen Wettkampf erlebt zu haben. Wissenswert dürfte auch die Organisation unseres Sportes sein. Unsere Interessen werden in Berlin vom Berliner Tischtennis - Verband in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Sportausschuß wahrgenommen. Zur Zeit sind rund 2400 Spieler bei diesen Verbänden gemeldet, und etwa 230 Mannschaften nehmen an den Rundenspielen zur Berliner Meisterschaft teil.

Die Aufteilung der Spieler und Mannschaften in die einzelnen Leistungsklassen ist im Gegensatz zum Tennis, wo nur drei Klassen bestehen bedeutend verfeinert. Zur Zeit gibt es folgende sechs Leistungsstufen:

Klasse A

Klasse B

Klasse C

Klasse D

Klasse E

Klasse F


Im allgemeinen muss ein neu anfangender Spieler in der untersten Leistungsklasse (F) beginnen.

Um den Spielern Gelegenheit zu geben, ihr im Laufe der Zeit verbessertes Können zu beweisen, werden monatlich Turniere veranstaltet, bei denen die ersten der einzelnen Klassen in die nächst höhere aufsteigen bzw. die letzten absteigen müssen. Da die Spielstärke schon in der E - Klasse ziemlich groß ist, muss man schon eine günstige Auslosung erwischen und eine gute Tagesform mitbringen, um bis in die Endrunde (im allgemeinen nach 6-7 Spielen) vorzudringen.

Unabhängig von der Einstufung der einzelnen Spieler wird die Einteilung der Mannschaften vorgenommen. So kann es theoretisch vorkommen, dass eine Mannschaft, obwohl sie einen Stadtklassenspieler besitzt, doch in der untersten Klasse spielen muss, da die restlichen 5 Spieler Anfänger sind. In der Praxis kommt das natürlich nicht vor, da sich die herausragenden Spieler in einigen wenigen Vereinen zusammengefunden haben.
Wenn es mir nun gelungen ist, auch die Skeptiker davon zu überzeugen, dass Tischtennis ein ernst zu nehmender Sport ist, so haben diese Zeilen ihren Zweck voll und ganz erfüllt, und wir dürfen wohl mit Recht annehmen, dass in Zukunft die Tischtennis -Abteilung, die zwar auf keine Tradition im BSV 1892 zurückblicken kann. doch als vollwertiges Mitglied unseren großen Sportfamilie angesehen wird.

Gerhard Ernst